2026 KW17 Report über das Portfolio des Investmentclub-Aktienfonds

Hier veröffentlichen wir wöchentlich den aktuellen Wochenkommentar sowie eine Aufstellung des aktuellen Aktien-Portfolios (Inventarliste). Diese Informationen sind nur für Mitglieder des ACC. Bitte geben Sie die Informationen und das Passwort nicht weiter. Vielen Dank.

Bitte beachten Sie: Bei dieser Aufstellung handelt es sich um das Musterportfolio des ACC. Alle Angaben dienen nur der internen Mitgliederinformation und sind ohne Gewähr. Rechtsverbindlich sind nur der Fondsprospekt und die offiziellen Halbjahres- und Jahresberichte.

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Was ist diese Woche (KW17/2026) an den Börsen geschehen?

Die Aufmerksamkeit der Märkte galt weiterhin vor allem dem Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Die brüchige Waffenruhe wurde von US-Präsident Trump mehrfach verlängert, obwohl weder der Iran noch die USA die Straße von Hormus freigaben. Der wieder gestiegene Ölpreis belastete die Märkte. An den Aktienbörsen wurden ferner die Unternehmensmeldungen beachtet. Dabei wurden die KI-Sorgen insbesondere in der Software-Branche nur wenig entkräftet. Insgesamt fielen aber die Geschäftsergebnisse des ersten Quartals weiterhin überwiegend gut aus. Der Dow Jones verzeichnete einen Wochenverlust von -0,4 Prozent, der Nasdaq-100 dagegen einen Wochengewinn von +2,4 Prozent. In Europa überwogen klar die Verluste: Euro-STOXX-50 minus -2,9 Prozent und DAX minus -2,3 Prozent, womit der deutsche Leitindex (-1,5 Prozent) tiefer steht als bei Jahresbeginn.

Wie hat sich der Anteilswert des Investmentclubs / Investmentfonds entwickelt?

Der ACC Alpha select Anteilswert wurde auf Basis der Schlusskurse vom Donnerstag mit 43,90 Euro berechnet. Gegenüber dem Wert auf Basis der Schlusskurse vom Donnerstag der Vorwoche ist das ein Rückgang um 0,42 Euro bzw. -0,95 Prozent. Im laufenden Jahr (Jahreswechsel 42,01 Euro) ergibt das ein Plus von +4,5 Prozent. Mit der zuletzt starken Performance der großen US-Tech-Aktien liegt der Aktienfondsdurchschnitt seit Jahresbeginn mit +5,1 Prozentpunkte etwas besser als wir. Über ein Jahr liegen wir jetzt gleichauf mit dem Aktienfondsdurchschnitt, über drei Jahre mit +43,8 Prozent leicht besser (Aktienfondsdurchschnitt +40,4 Prozent) und über fünf Jahre +41,7 Prozent deutlicher (Aktienfondsdurchschnitt +37,8 Prozent).

Welche positiven Veränderungen gab es im Portfolio des Investmentclubs? (Wochengewinner)

Die in diesem und dem folgenden Abschnitt genannten Kursveränderungen beziehen sich jeweils auf die Woche bis einschließlich Freitag, weichen also um einen Börsentag vom Zeitpunkt der Anteilswertberechnung ab (die ja auf Basis der Schlusskurse vom Donnerstag erfolgt).

Mit der anhaltenden Blockade der Straße von Hormus und dem wieder gestiegenen Ölpreis sprang auch der Aktienkurs der Deutschen Rohstoff wieder nach oben: Nach einem Rückgang in der Vorwoche um -11,7 Prozent stieg die Aktie in dieser Woche um +16,4 Prozent (auf 96,30 Euro, Einstand 54,20 Euro). Nach Gewinnmitnahmen ist die Deutsche Rohstoff nur noch eine kleine Position in unserem Fonds (0,65 Prozent vom Fondsvermögen).

Bei Newmont lief es im ersten Geschäftsquartal 2026 besser als vom Markt erwartet. Die Umsatzerlöse verbesserten sich im Berichtszeitraum von 4,87 Milliarden US-Dollar auf nun 7,31 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg um gut 50 Prozent! Die durchschnittliche Analystenerwartung lag bei einem Anstieg um ein Drittel auf 6,52 Milliarden US-Dollar. Noch besser beim Gewinn: Pro Aktie (EPS) wurden vom Markt 2,19 US-Dollar erwartet, was ein Gewinnanstieg von 30 Prozent wäre. Tatsächlich hat Newmont aber einen Nettogewinn von 3,00 US-Dollar pro Aktie erzielt – ein Plus von fast 80 Prozent gegenüber dem Vergleichswert von 1,68 US-Dollar je Aktie. Die Aktie machte in Reaktion auf die Zahlen einen Sprung um rund +9 Prozent nach oben, wodurch auf Wochensicht ein Plus von +3,6 Prozent entstand (auf 120,70 USD, Einstand 43,84 USD). Wie in den vergangenen Monaten mehrfach in diesen Wochenberichten dargestellt, waren wir davon ausgegangenen, dass Goldminenbetreiber wie Newmont die ohnehin schon positiven Markterwartungen übertreffen können. Bei einem gleichbleibenden EPS von 3 USD pro Quartal würde das KGV jetzt nur 10 betragen, was deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt liegt. Wir gehen davon aus, dass auch unsere anderen Edelmetall-Aktien das Potenzial haben, die Markterwartungen zu übertreffen.

Der französische Telekom-Konzern Orange erzielt im ersten Quartal ein gutes Umsatzwachstum von 3,5 Prozent und ein EBITDAaL-Wachstum von 6,6 Prozent. Der Umsatzanstieg wurde durch ein zweistelliges Wachstum in Afrika und dem Nahen Osten getrieben (+12,7 Prozent) sowie eine robuste Performance im Heimatmarkt Frankreich (+2,3 Prozent) und dem übrigen Europa (+2,2 Prozent). Das Endkundengeschäft blieb in Frankreich, Europa sowie Afrika und dem Nahen Osten weiterhin stark. Der Umsatz mit Großkunden wuchs dank einer substanziellen Kofinanzierung für das Glasfasernetz in Frankreich deutlich (+6,1 Prozent). Die EBITDAaL-Prognose für den Konzern im Jahr 2026 wurde auf über 3 Prozent angehoben. Die Aktie gewann auf Wochensicht +3,0 Prozent (auf 17,65 Euro, Einstand 10,16 Euro).

Welche negativen Veränderungen gab es im Portfolio des Investmentclubs? (Wochenverlierer)

Der ungelöste Konflikt zwischen den USA und dem Iran drückte wieder auf die Edelmetallpreise. Der Platinpreis fiel die zweite Woche in Folge. In der Vorwoche hatte sich der Aktienkurs von Valterra Platinum dem Preisrückgang entzogen und war sogar um +7,7 Prozent gestiegen. Umso deutlicher war der Rückgang in dieser Woche mit -15,7 Prozent (auf 62,25 GBP, Einstand 37,69 GBP). Damit ist das KGV von Valterra unter 10 gefallen. Wer jetzt die Aktie kaufen würde, darf mit einer Dividendenrendite von über 6 Prozent rechnen. (Unsere Dividendenrendite ist aufgrund unseres günstigeren Einstiegs deutlich höher, nämlich bei gut 10 Prozent! – siehe unten.)

Aktien aus der Healthcare-Branche fielen in der Gunst der Anleger erneut zurück. Bei Fresenius kam in dieser Woche eine Absenkung des Kursziels durch die US-Investmentbank Goldman Sachs dazu: Das Kursziel für Fresenius liegt jetzt bei 48 Euro nach zuvor 51 Euro gesenkt. Die Einstufung wurde aber bei „Neutral“ belassen. Der zuständige Analyst passte seine Schätzungen bis 2028 noch vor dem Quartalsbericht an. Für das erste Quartal rechnet er mit einem Wachstum um 4 Prozent. Seine Ergebnisschätzungen für die Jahre 2026 bis 2028 sinken vor allem wegen höherer Einkaufskosten um bis zu 5 Prozent. Die Aktie verlor auf Wochensicht -9,8 Prozent (auf 40,25 Euro, Einstand 27,76 Euro).

Auch der Aktienkurs von Dräger gab nach vor Bekanntgabe der vollständigen Quartalsergebnisse (am 30. April) nach: -8,0 Prozent (auf 91,50 Euro, Einstand 47,27 Euro). Der Medizintechnik-Konzern Drägerwerk hatte schon zuvor erste vorläufige Ergebnisse des ersten Quartals veröffentlicht. Danach wuchs der Umsatz um 3,5 Prozent auf 756 Millionen Euro und der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg kräftig auf rund 18 Millionen Euro, nachdem er ein Jahr zuvor auf 0,4 Millionen Euro eingebrochen war. Die operative Marge verbesserte sich deutlich auf rund 2,4 Prozent. Auch der Auftragseingang legte etwas zu. Vorstandschef Stefan Dräger sagte, er sehe das Unternehmen daher auf Kurs zu seinen Jahreszielen. Der zuständige Analyst bei Jefferies lobte, dass sich die operative Marge von Drägerwerk zu Jahresbeginn stark verbessert habe. Er verwies zudem auf die bestätigte Prognose. Im laufenden Jahr erwartet das Management weiter ein Umsatzwachstum um ein bis fünf Prozent. Von diesem Erlös sollen 5,0 bis 7,5 Prozent als Gewinn vor Zinsen und Steuern verbleiben. Der Aktienkurs von Dräger hat sich zwar seit Anfang 2025 verdoppelt, die Bewertung erscheint aber trotzdem attraktiv: KGV 11,6 bei einer offenbar guten Geschäftsentwicklung.

Welche Transaktionen gab es diese Woche?

Neben dem Draht und Kabelhersteller IRCE bauen wir eine zweite Position in einem italienischen Nebenwert auf: Die Emak S.p.A. und ihre Konzerngesellschaften entwickeln, produzieren und vertreiben eine diversifizierte Palette von Produkten, die auf drei Geschäftsbereiche aufgeteilt sind: Motorgeräte für den Außenbereich umfassen Produkte für den Gartenbau sowie die Forst- und Landwirtschaft wie Trimmer, Rasenmäher, Gartentraktoren, Kettensägen, Bodenfräsen und Bodenfräsen. Pumpen und Hochdruck-Wasserstrahlgeräte beinhalten Produkte für die Landwirtschaft (z.B. Kreisel- und Membranpumpen zum Sprühen und Jäten), für die Industrie (z.B. Industriepumpen, Hoch- und Hochdrucksysteme und städtische Reinigungsgeräte) und für die Reinigung (professionelle und semiprofessionelle Hochdruckreiniger, Bodenschrubber und Staubsauger). Das dritte Geschäftsfeld betrifft Komponenten und Zubehör für die genannten Sektoren. Wir haben bislang 1.027 Emak-Aktien zu 0,8942 Euro erworben.

In der Vorwoche konnten wir erst 1.616 IRCE Aktien in Mailand zu 2,20 Euro kaufen. In dieser Woche haben wir in mehreren Tranchen insgesamt 2.136 Aktien gekauft, darunter eine Tranche von 839 Aktien zu 2,19 Euro, die übrigen zu unserem Limit 2,20, so dass unser Bestand jetzt 3.752 IRCE-Aktien (zu durchschnittlich 2,198 Euro) erreicht hat.

Wie hoch ist die Barreserve?

Das Euro-Kontoguthaben ist durch die fortgesetzten, wenn auch kleinen Aktienkäufe weiter reduziert worden. Zwischenstand: 605.423 Euro, Anteil am Fondsvermögen 8,6 Prozent.

Valterra Platinum zahlte jetzt eine Dividende von 1,99189 GBP pro Aktie, zusammen für unsere 3.000 Aktien 3.975,67 GBP. Dies allein entspricht im Verhältnis zu unserem Einstandskurs 37,69 GBP einer Ausschüttung von 5,3 Prozent. Die Gewinnausschüttungen bezogen auf einen 12-Monats-Zeitraum werden aber voraussichtlich mehr als Doppelte betragen, erwartet werden gut 91 Südafrikanische Rand (ZAR), was gut 4 GBP wären. Damit überschreitet unsere Dividendenrendite 10 Prozent! Und angesichts des erreichten Preisniveaus für Platin (und Palladium) sind auch ohne weiteren Anstieg der Edelmetallpreise weitere Dividendenerhöhungen (auf über 100 ZAR pro Jahr und Aktie) zu erwarten. Nach Abzug der Quellensteuer wurden unserem GBP-Konto jetzt 4.780,54 GBP gutgeschrieben. Das Guthaben auf unserem Pfund-Konto ist dadurch auf 5.584 GBP gestiegen.

Der südkoreanische Telekom-Wert KT Corp zahlte Quartalsdividende, die bezogen auf die in New York gehandelten ADRs 0,203341 USD pro Aktie ausmachen, zusammen für unsere 10.000 Aktien 2.033,41 USD. Nach Abzug der Quellensteuer wurden unserem US-Dollar-Konto 1.586,06 USD gutgeschrieben. Wenn man vier Quartalsdividenden in dieser Höhe annimmt, werden 0,813 USD pro Jahr erreicht. Dies entspricht im Verhältnis zu unserem Einstandskurs 10,786 USD einer Dividendenrendite von 7,5 Prozent. Es werden weitere Dividendenerhöhungen erwartet, auf 0,85 USD in diesem Jahr und über 0,90 USD ab 2027. Das Guthaben auf unserem US-Dollar-Konto ist durch die jetzige Gewinnausschüttung auf 5.542 USD gestiegen.

Unser Kontoguthaben in dänischen Kronen reichte nicht ganz, um den Wiedereinstieg bei DFDS zu bezahlen. Wir haben deshalb für gut 4.000 Euro 30.000 DKK zum Wechselkurs 7,46737 DKK/EUR erworben. Nach Verrechnung des DFDS-Kaufs verbleiben auf dem DKK-Konto 1.379 DKK, knapp 185 Euro.

Die Fremdwährungsguthaben sind zusammen auf umgerechnet 55.398 Euro bzw. 0,8 Prozent vom Fondsvermögen gewachsen. Zusammen mit dem Euro-Konto belaufen sich die Bankguthaben jetzt auf 660.821 Euro bzw. 9,4 Prozent des Fondsvermögens (Barreserve). Die Zahl der ausgegebenen Fondsanteile ist in dieser Woche durch einen Nettomittelabfluss um 188 Anteile auf jetzt 159.618 Anteile gestiegen. Das Fondsvermögen beträgt weiterhin wenig verändert jetzt 7.023.363 Euro.

Aktuelle strategische und taktische Überlegungen

Wer die Nachrichtenlage der vergangenen Zeit zusammenfassen möchte, kommt nicht umhin festzustellen, dass sich die Globalisierung stark verlangsamt hat, sich teilweise sogar umkehrt. Europa sei der Verlierer dieser Entwicklung, ist häufig zu hören. Unsere Aktienstrategie ist aber weiterhin stark auf europäische Aktien ausgerichtet. Ist das noch grundsätzlich richtig? Wo liegen die Chancen für europäische Unternehmen? Noch vor wenigen Jahren haben viele ihr Heil in einer stärkeren Internationalisierung gesucht, vor allem in Geschäftsverbindungen zum Wachstumsmarkt China. Inzwischen muss sich Europa um seine Abhängigkeiten Gedanken machen: Militärisch ist das demokratische Europa noch abhängig von der früheren NATO-Führungsmacht USA, wirtschaftlich abhängig von Rohstoffimporten, Lieferketten und Absatzmärkten in Übersee. Vor diesem Hintergrund gibt es Entwicklungen, die man auch als Anleger berücksichtigen sollte: Europa muss sich selbst der offenen Bedrohung durch Russland erwehren, darf nicht mit Rohstoffimporten erpressbar sein und seine Lieferketten weniger angreifbar machen. „Onshoring“, also die strategische Rückverlagerung oder Ansiedlung von Produktions- oder Dienstleistungsaktivitäten aus dem Ausland zurück nach Europa, dürfte die kommenden Jahre prägen. Aber nicht nur bei seinen Importen muss sich Europa der veränderten Weltlage anpassen. Die früher attraktivsten Absatzmärkte, die USA und China, schotten sich zunehmend gegen Einfuhren aus Europa ab. Europa wird sich in dieser neuen Weltordnung stärker auf sich selbst fokussieren müssen: In Europa für Europa produzieren. Der EU-Binnenmarkt ist der größte wirklich funktionierende Binnenmarkt der Welt: Er umfasst rund 450 Millionen Konsumenten in den 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz. Er zeichnet sich durch ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von über 14,5 Billionen Euro aus (Stand 2021/2022) und umfasst etwa 23 Millionen Unternehmen. Zum Vergleich: In den USA gibt es nur 136 Millionen Privathaushalte mit durchschnittlich zweieinhalb Personen, also ca. 340 Millionen Konsumenten, Kinder herausgerechnet eher nur 275 Millionen Konsumenten. Beim durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen hat die Europäische Union (EU-27, 2024) mit rund 39.680 Euro die USA mit rund 43.420 US-Dollar (ebenfalls 2024) eingeholt. Auch das durchschnittliche Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf liegt dicht beieinander. Während in Europa die historisch entstandenen sehr hohen Wohlstandsunterschiede zwischen den einzelnen Staaten kleiner werden, wachsen die Unterschiede zwischen Reich und Arm in den USA unter Trump deutlich. Die für die Binnenwirtschaft entscheidende Mittelschicht in Europa hat jetzt schon mehr Kaufkraft als die schrumpfende Mittelschicht in den USA. (Studien zeigen, dass der Anteil der Erwachsenen in Haushalten mit mittlerem Einkommen in den USA von 61 Prozent im Jahr 1971 auf etwa 50 Prozent im Jahr 2021 gesunken ist, was zu einer Polarisierung zwischen einkommensstarken und einkommensschwachen Gruppen führt. Diese Entwicklung wird aktuell unter Trump noch beschleunigt.) Trump schädigt mit seinen zahlreichen Eingriffen in die Märkte und seiner isolationistischen Politik die US-Volkswirtschaft, was den dortigen Aktienmarkt zeitversetzt dort belasten wird. Weil jetzt die Aufgabe darin besteht, Abhängigkeiten von den USA und Asien zu verringern, dürften die Eingriffe der europäischen Politik in die Märkte auch eher mehr als weniger werden. Dabei können Schlüsselbranchen mit staatlicher Unterstützung beim „Onshoring“ rechnen. Auch das sollte bei der Aktienauswahl berücksichtigt werden. Noch vor wenigen Jahren wurden beispielsweise die hohen Investitionen des weltgrößten Chemiekonzerns, BASF, in China positiv bewertet, inzwischen sieht man zunehmend die Risiken. Ähnlich ergeht es anderen Branchen wie Automobilherstellern: China ist nicht mehr der stark wachsende Absatzmarkt, sondern zunehmend ein Konkurrent – auch auf den europäischen Heimatmärkten.

Wir berücksichtigen diese Entwicklungen bei unseren Anlageentscheidungen: Wir suchen Aktien von Unternehmen, die den Wandel aktiv für sich nutzen. Mögliche Gewinner der kommenden Jahre sind also weniger die früheren „Gewinner der Globalisierung“ als vielmehr Unternehmen, die auf dem großen europäischen Binnenmarkt erfolgreich sind. Ein Beispiel dafür ist die Finanzbranche: Europäische Banken und Versicherungen sind außerhalb Europas eher wenig aktiv, haben aber umgekehrt auf ihren europäischen Heimatmärkten auch wenig Konkurrenten von anderen Kontinenten. (Société Générale ist mit 4,0 Prozent vom Fondsvermögen nach wie vor eine unserer größten Aktienpositionen. Neben unseren Positionen in AXA und ASR Nederland haben wir unsere Position in SCOR jüngst ausgebaut.)

Einen sehr positiven Impuls würde Europa erleben, wenn es der Ukraine gelingt, sich gegen den Aggressor Russland durchzusetzen und ein Ende des Angriffskrieges zu erreichen, beispielsweise durch einen Regimewechsel in Moskau oder einen wirtschaftlichen Kollaps Russlands. Die Integration der rohstoffreichen Ukraine in die EU könnte angesichts des Wiederaufbaubedarfs das erfolgreichste Konjunkturprogramm für Europa seit dem Marshall-Plan nach dem Zweiten Weltkrieg werden.

Fazit: Europas Aktienmärkte sind nicht unbedingt die Verlierer der Geschichte, im Gegenteil: Aus Sicht eines heimischen Anlegers bieten sie mittel- bis längerfristig ein attraktives Chance / Risiko – Verhältnis.