Wochenkommentar KW 06/2026

Hier veröffentlichen wir wöchentlich den aktuellen Wochenkommentar sowie eine Aufstellung des aktuellen Aktien-Portfolios (Inventarliste). Diese Informationen sind nur für Mitglieder des ACC. Bitte geben Sie die Informationen und das Passwort nicht weiter. Vielen Dank. Bitte beachten Sie: Bei dieser Aufstellung handelt es sich um das Musterportfolio des ACC. Alle Angaben dienen nur der internen Mitgliederinformation und sind ohne Gewähr. Rechtsverbindlich sind nur der Fondsprospekt und die offiziellen Halbjahres- und Jahresberichte. Bei Anregungen und Feedback erreichen Sie uns gerne per email. Ihre Ansprechpartner sind: – Dirk Arning (arning@acc-invest.de) – Geschäftsführung, Ansprechpartner für börsenspezifische Informationen – Klaus J. Ueker (ueker@acc-invest.de) – Geschäftsführer, Ansprechpartner für Mitgliederverwaltung – Holger Fiegl (info@acc-invest.de) – Administration, Ansprechpartner für Webpage


Report über das Portfolio des Investmentclub Aktienfonds

Was ist diese Woche (KW06/2026) an den Börsen geschehen?

Sorgen um die extrem hohen Kosten und die Auswirkungen von „Künstlicher Intelligenz“ (KI) belasteten zunächst wieder die Aktienmärkte. An der Wallstreet setzten sich Umschichtungen aus Halbleiter- und Tech-Aktien in eher traditionelle Geschäftsmodelle fort. Auch enttäuschende Quartalsberichte sorgten vereinzelt für hohe Kursverluste, so beim Zahlungsdienstleister Paypal. Auch die „mag-7“-Aktien Amazon (-12 Prozent), Meta (-7,7 Prozent) und Microsoft (-6,8 Prozent) standen unter Verkaufsdruck. Dagegen stieg der Börsenwert des US-Einzelhandelsriesen Walmart erstmals über eine Billion US-Dollar. (Wir profitieren mit dem europäischen Einzelhandelsriesen Carrefour von dem Trend.) Der Dow Jones schaffte ein Wochenplus von +2,5 Prozent, während der Nasdaq-100 -1,9 Prozent verlor und damit tiefer steht als bei Jahresbeginn. Während viele Indexschwergewichte weltweit eher unter Druck gerieten, gab es Umschichtungen in ausgesuchte Nebenwerte. Die Marktbreite nahm damit zu. Zum Wochenende hin nahm auch die allgemeine Risikobereitschaft der Anleger wieder zu.

Wie hat sich der Anteilswert des Investmentclubs / Investmentfonds entwickelt?

Der ACC Alpha select Anteilswert wurde auf Basis der Schlusskurse vom Donnerstag mit einem Nettoinventarwert von 43,62 Euro berechnet. Darin sind die Kursgewinne vom Freitag wie üblich noch nicht enthalten, diesmal gut 75.000 Euro, womit der Anteilswert wieder über 44 Euro und unweit seines Rekordhochs aus der Vorwoche liegen wird. Per Donnerstag ist das aber gegenüber der Vorwoche ein Rückgang um 44 Cent bzw. -1,0 Prozent. Seit Jahresbeginn (42,01 Euro) ein Plus von +3,8 Prozent. Der Durchschnitt der Aktienfonds fiel im Wochenvergleich ähnlich, nämlich um -0,8 Prozent zurück auf nur noch +1,3 Prozent seit Jahresbeginn (Mischfonds seit Jahresbeginn +2,1 Prozent, Euro-STOXX-50 +3,6 Prozent, DAX nur +0,9 Prozent.)

Welche positiven Veränderungen gab es im Portfolio des Investmentclubs? (Wochengewinner)

Die in diesem und dem folgenden Abschnitt genannten Kursveränderungen beziehen sich jeweils auf die Woche bis einschließlich Freitag, weichen also um einen Börsentag vom Zeitpunkt der Anteilswertberechnung ab (die ja auf Basis der Schlusskurse vom Donnerstag erfolgt).

Den größten positiven Performancebeitrag in dieser Woche lieferte unsere recht große Position (3,5 Prozent vom Fondsvermögen) Nippon Sanso: In Reaktion auf die Quartalsergebnisse sprang der Kurs auf Wochensicht um+15,1 Prozent nach oben auf 29,60 bzw. 5.600 Yen (Einstand 18,31 Euro bzw. 2.681 Yen). Damit beendete der Aktienkurs einen viermonatigen Abwärtstrend und eine ausgeprägte relative Schwäche zum japanischen Aktienmarkt. Im Vergleich zum Vorjahresquartal wurde eine Umsatzsteigerung von 5,1 Prozent auf 345 Milliarden Yen erwartet. Tatsächlich kam es zu einem Plus von 5,7 Prozent auf 347 Milliarden Yen. Davon sollte pro Aktie ein Quartalsgewinn von 78,7 Yen verbleiben, so die Erwartung. Im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen einen Gewinn von 65,34 Yen je Aktie gemeldet. Der tatsächliche Gewinn je Aktie (EPS) erreichte aber 82,5 Yen – gut 26 Prozent mehr als vor einem Jahr. Das Geschäftsjahr wird erst Ende März beendet. Die durchschnittliche Umsatzschätzung geht für dieses laufende Geschäftsjahr von einem Anstieg von 1.308 Milliarden Yen auf 1.336 Milliarden Yen aus. Davon sollen 277,4 Yen Gewinn pro Aktie verbleiben nach 228,2 Yen im Jahr zuvor. Dies sind jeweils die Durchschnittsprognosen von 7 Analysten. Das Gewinnwachstum zwischen den beiden Jahren würde damit gut 21 Prozent betragen und das aktuelle KGV 20,2. Die Daten bestätigen weitestgehend unsere Erwartungen. Allerdings errechnet sich mit dem ProBot-Value-Modell weiterhin nur ein Fair Value von gut 3.400 Yen. In der Projektion können wir den Fair Value auf rund 3.750 Yen anheben.

Auch bei Aperam wurde der Markt von den Quartalsergebnissen positiv überrascht, was zu einem Kurssprung führte: +13,6 Prozent (auf 41,50 Euro, Einstand 33,45 Euro). Analysten hatten für das vierte Quartal 2025 Umsatzerlöse von 1,47 Milliarden erwartet und einen Quartalsverlust je Aktie von -0,045 Euro. Damit sollten die Umsatzerlöse 2025 laut Analysten 6,17 Milliarden Euro erreichen und der Gewinn je Aktie 0,145 Euro. Die Umsatzerlöse im vierten Quartal lagen mit 1,36 Mrd. Euro unter den Erwartungen, mithin auch im Gesamtjahr mit 6,08 Mrd. Euro. Doch statt des Verlustes wies Aperam für das Quartal einen Gewinn je Aktie von 0,40 Euro aus – mehr als das Doppelte des Gewinns im Vorjahresquartal (0,17 Euro je Aktie). Damit vermied der Konzern auch im Gesamtjahr einen Verlust, sondern kam auf eine „schwarze Null“ von 0,13 Euro EPS. Wir hatten Aperam sogar noch etwas mehr Abstand zur Verlustschwelle zugetraut und revidieren unseren gemittelten EPS-Wert von 2,92 Euro auf 2,35 Euro nach unten, insbesondere weil die EPS-Schätzung für 2026 von 3,13 auf 2,27 Euro deutlich gesenkt werden muss. Unsere EPS-Schätzung für 2027 bleibt nahezu unverändert bei 3,98 Euro. Für 2028 steigt sie dann – bei allen Unwägbarkeiten für diesen Zeitraum – deutlich von 4,01 auf 5,44 Euro. Damit können wir die Erwartungen an das Gewinnwachstum deutlich anheben, was ein höheres KGV rechtfertigt. Der Profit Value steigt damit von sehr vorsichtigen 27,64 Euro auf 37,23 Euro. Umsatzschätzungen und damit Netto-Marge nehmen wir etwas zurück, womit der Bottom Value von 66,42 auf 59,85 Euro sinkt. Unterm Strich können wir unseren Fair Value von 42,85 auf 47,21 Euro anheben, womit die Aktie trotz der erfreulichen Kursentwicklung noch unterbewertet bleibt.

TRATON profitierte von einer Studie der Bank of America (BofA) über Nutzfahrzeugbauer: +9,8 Prozent (auf 36,18 Euro, Einstand bisher 27,80 Euro). Der BofA-Analyst empfiehlt in Erwartung eines zyklischen Wendepunktes zuzugreifen. Dafür gebe es mehr und mehr Anzeichen dank aktueller Marktindikatoren, dem klarer werdenden Zoll- und Regulationsumfeld sowie wahrscheinlichen Margenverbesserungen. Favorit des Analysten ist zwar jetzt Daimler Truck noch vor Volvo, während die TRATON die negative Einstufung „Underperform“ erhielt. Bei der VW-Tochter würden unter anderem die niedrigeren Renditen im Vergleich zu Mitbewerbern eine geringere Bewertung rechtfertigen. Aber der Markt sah das anders und verhalf der TRATON-Aktie zu einem Kurssprung.

Die Aktie der Deutschen Rohstoff AG (DRAG) entwickelte sich die dritte Woche in Folge sehr erfreulich und stieg auf neue Rekordhöhen: Nach +9,3 Prozent und +8,0 Prozent in den beiden Vorwochen nun nochmal +9,4 Prozent (auf 58,30 Euro, Einstand 54,20 Euro). First Berlin Equity Research wiederholt mit Verweis auf den Reservebericht des Unternehmens seine Kaufempfehlung. Der Bericht zum Jahresende 2025 zeige einen Anstieg der nachgewiesenen und wahrscheinlichen Reserven um 46 Prozent auf 79 Mio. Barrel, was der größte organischen Anstieg in der Geschichte des Unternehmens sei. Der Anstieg sei auf die besser als erwartete Leistung neuer Bohrlöcher sowie auf die Bohrung von Bohrlöchern im Westen von Wyoming zurückzuführen. Die meisten der bisher von DRAG in Wyoming gebohrten Bohrlöcher befinden sich im östlichen Teil des Bundesstaates). Die nachgewiesenen erschlossenen Förderreserven entsprechen dem 11-fachen der Produktion im Jahr 2025. Der Gegenwartswert der geschätzten zukünftigen Cashflows aus den Reserven stieg um 12 Prozent auf 553 Mio. USD. Der Anstieg basiere auf einem höheren Reservevolumen und geringeren Investitionsausgaben pro Bohrloch. Der Wert nach Steuern der Beteiligungen von DRAG an Almonty-Aktien (8,1 Prozent), Wandelanleihen und Schuldtiteln sei auf jetzt 278 Mio. Euro gestiegen. Der Anstieg sei größtenteils auf einen Anstieg des Aktienkurses von Almonty zurückzuführen, der wiederum durch einen Anstieg des APT-Preises für Wolfram verursacht wurde. Die Beteiligung von DRAG an Almonty mache derzeit zwei Drittel seines Unternehmenswerts aus. Aufgrund der jüngsten Verbesserung der Rohstoffpreise und des Wertanstiegs der Almonty-Beteiligungen erhöhte First Berlin Equity Research das Kursziel von 68 auf 86 Euro und bestätigte die Kaufempfehlung.

Fünftbeste Aktie in unserem Portfolio in dieser Woche ist Carrefour: +7,3 Prozent (auf 14,85 Euro, Einstand 14,29 Euro), womit der noch recht junge, sekundäre Aufwärtstrend bestätigt wird. Nach einem mehrjährigen Abwärtstrend drehte der 200-Tage-Durchschnitt erst im Dezember nach oben.

Mit Bouygues und Orange finden sich zwei weitere französische Aktie in dieser Woche unter den überdurchschnittlichen Kursgewinnern: Bouygues +5,8 Prozent (auf 48,25 Euro, Einstand 31,60 Euro) und Orange +5,7 Prozent (auf 16,51 Euro, Einstand 10,16 Euro).

Nach der Kurskorrektur in der Vorwoche lieferten unsere Gold- und Silberminen in dieser Woche schon wieder Kursgewinne: OceanaGold +5,2 Prozent (auf 46,40 CAD, Einstand 36,41 CAD), Coeur Mining +4,9 Prozent (auf 21,44 USD, Einstand 22,73 USD), Newmont +2,6 Prozent (auf 115,32 USD, Einstand 43,84 USD) und Pan America Silver +1,7 Prozent (auf 75,46 CAD, Einstand 40,97 CAD). Der Anteil aller 6 Edelmetall-Aktien am Fondsvermögen zusammen liegt aktuell bei 16,3 Prozent.

Welche negativen Veränderungen gab es im Portfolio des Investmentclubs? (Wochenverlierer)

Heidelberg Materials litt unter der Nachricht, dass die EU-Kommission ihr wichtigstes Klimaschutzinstrument, den europäischen Emissionshandel, abschwächen will. Die Aktie verlor in dieser Woche -6,9 Prozent (auf 215,40 Euro, Einstand 53,60 Euro). Geplant sei, über einen längeren Zeitraum als bisher vorgesehen kostenlose Zertifikate auszugeben, um energieintensive Unternehmen zu entlasten. Dies betrifft zwar auch Heidelberg Materials, weil bei der konventionellen Zementherstellung viel CO2 freigesetzt wird. Für Heidelberg Materials ist die Aufweichung des Emissionshandels aber keine gute Nachricht, weil der Konzern bereits viel in die klimafreundlichere Zementherstellung investiert hat und sich damit ein Wettbewerbsvorteil abschwächt.

Kontron verloren auf Wochensicht -6,4 Prozent. Die Ergebnisse der viertel Quartals 2025 und damit des Gesamtjahres 2025 werden voraussichtlich am 26. März präsentiert. Beim Gewinn 2025 gehen Experten vorab davon aus, dass Kontron ein EPS in Höhe von 1,82 Euro erzielt hat. Wir werden unsere alte Prognose von 1,93 Euro voraussichtlich nach unten revidieren müssen.

Welche Transaktionen gab es diese Woche?

Aufgrund von Kaufsignalen haben wir in dieser Woche drei verschiedene deutsche Nebenwerte gekauft. Verdoppelt haben wir dabei zwei kleinere Aktienpositionen, bei denen wir lange auf einen Aufwärtstrend gewartet haben. Zudem haben wir erstmals in Villeroy & Boch investiert, ebenfalls eine Aktie, bei der der Aufwärtstrend auf sich warten ließ.

Wir haben unsere bislang kleine Position in TRATON vergrößert: Wir haben 1.500 Aktien zu 35,37 Euro gekauft. Dadurch verdoppelt sich unser Bestand auf 3.000 Stück und unser durchschnittlicher Einstand steigt von 29,57 Euro auf 32,47 Euro. Hintergrund unseres Zukaufs ist das Kaufsignal, das mit dem kraftvollen Anstieg des Aktienkurses über die Kurshochs im Sommer vergangenen Jahres bei rund 33 Euro entstanden ist. Damit ist charttechnisch der Weg frei bis zum Vorjahreshoch bei 40 Euro. Fast 50 Milliarden Euro Umsatz werden mit nur knapp 18 Mrd. Euro Marktkapitalisierung bewertet, KGV 7. Zwar erscheint TRATON im Vergleich zu seinen beiden europäischen Konkurrenten DaimlerTruck und Volvo weniger rentabel, die breite Aufstellung in verschiedenen Marktsegmenten und die Plattform-Strategie dürften aber im Fall einer Nachfragebelebung eine gewisse Hebelwirkung entfalten.

Ebenfalls verdoppelt haben unseren Bestand in Wüstenrot & Württembergische (W&W): Wir haben 4.000 Aktien zu 15,589 Euro gekauft. Dadurch verdoppelt sich unser Bestand auf 8.000 Stück und unser durchschnittlicher Einstand steigt von 14,26 Euro auf 14,925 Euro. Auslöser für unseren Zukaufs ist das Kaufsignal, das mit dem Anstieg des Aktienkurses über das Kurshoch des vergangenen Jahres bei 15,40 Euro entstanden ist. Damit wird ein 2025 entstandener übergeordneter Aufwärtstrend bestätigt. In den vier Jahren zuvor war die W&W-Aktie von fast 20 Euro auf nur 11,38 Euro gefallen, was fundamental übertrieben erschien. Fast 7 Milliarden Euro Umsatzerlöse werden jetzt mit nur knapp 1,5 Mrd. Euro Marktkapitalisierung bewertet, KGV ebenfalls nur 7.

Neu aufgenommen haben wir Villeroy & Boch. Wir haben 4.000 Vorzugsaktien zu 18,787 Euro gekauft. Die Wurzeln des Keramikherstellers reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Die Villeroy & Boch AG will sich von einem Hersteller und Vermarkter hochwertiger Keramikprodukte zu einer weltweit renommierten Lifestyle-Marke entwickeln. Das operative Geschäft ist in die beiden Unternehmensbereiche „Bad und Wellness“ sowie „Tischkultur“ unterteilt. Darüber hinaus vertreibt das Unternehmen Produkte auf Lizenzbasis, die das Sortiment ergänzen. Der Konzern ist durch eigene Vertriebsgesellschaften oder Importeure in 125 Ländern der Erde vertreten und betreibt mehr als ein Dutzend Produktionsstandorte in Europa, Asien und Amerika. Das Angebot zeichnet sich durch eine breite Diversifikation unter dem einheitlichen Markendach und ein hochwertiges Design aus. Es rankt sich um die beiden Schwerpunkte „Das Bad aus einer Hand“ und „Der komplett gedeckte Tisch“. 2023 gelang es Villeroy & Boch, den Konkurrenten Ideal Standard zu übernehmen. Branchenkenner werteten die Bewertung von Ideal Standard mit 600 Mio. Euro als günstigen Kaufpreis. Rund zwei Drittel seiner Umsatzerlöse erwirtschaftete Villeroy & Boch schon vor der Übernahme mit Badkeramik, also vor allem Waschbecken und Toiletten. Die Sparte „Bad und Wellness“ war zudem insgesamt die deutlich profitablere. Weitere Konkurrenten sind Grohe, Hansgrohe und Geberit. Mit dem Zukauf steigerte Villeroy & Boch seinen Umsatz auf rund 1,5 Milliarden Euro jährlich. Villeroy & Boch arbeitete schon länger an der Akquisition. Entsprechende Pläne wurden bereits Anfang 2020 publik. Doch im März 2021 wurde das Vorhaben zunächst wieder verworfen. Damals hieß es, dass sich die Gründerfamilien und Stammaktionäre über die Strategie nicht einig seien. Bei Villeroy & Boch sind Vorzugsaktien börsennotiert; die Inhaberfamilien besitzen alle Stimmaktien. Teile der Familie plädierten damals für die Übernahme, anderen war das Risiko zu groß. Ideal Standard galt zudem als Sanierungsfall. Der belgische Hersteller von Badarmaturen und -keramik gehörte bis 2018 dem Finanzinvestor Bain Capital, dieser bürdete dem Unternehmen hohe Schulden auf. Die Gläubiger Anchorage und CVC Credit Partners wandelten ihre Anleihen in Eigenkapital um und hatten seither das Sagen. Diese beiden Private-Equity-Eigentümer hätten Ideal Standard in den vergangenen Jahren stark auf Effizienz getrimmt, urteilten Branchenexperten. Villeroy & Boch kaufte Ideal Standard von der Holding der beiden Firmen, Altschulden wurden vor der Übernahme abgeschnitten. Seit 2024 steigen die Gewinne des Konzerns wieder. Wir errechnen ein geglättetes Gewinnwachstum (CAGR) von gut 25 Prozent, was ein höheres KGV als die aktuellen 7,6 rechtfertigen würde. Auch die Umsatzerlöse von rund 1,5 Mrd. Euro bzw. gut 50 Euro pro Aktie sprechen für einen höheren Aktienkurs. Wir errechnen einen Fair Value von 37 Euro! Auch wenn dieser in der Projektion nicht zu halten ist, wenn sich das Gewinnwachstum abschwächt, und man über einen angemessenen Discount für die stimmrechtslosen Vorzugsaktien streiten kann, erscheint die rechnerische Unterbewertung hoch genug, um angesichts der guten Trendindikation bei Villeroy & Boch zu investieren.

Wie hoch ist die Barreserve?

Unser Fremdwährungsguthaben ist durch Zinsgutschriften für Januar und Wechselkursgewinne leicht, nämlich im Wochenvergleich um 0,3 Prozent auf 83.305 Euro gestiegen, was weiterhin 1,2 Prozent des Fondsvermögens ausmacht. Unser Euro-Kontohaben ist durch die Zukäufe von TRATON und W&W auf 105.582 Euro verringert worden, von 2,7 auf 1,5 Prozent des Fondvermögens. Der Kauf der Villeroy & Boch Vorzugsaktien für gut 75.000 Euro ist noch nicht verrechnet und schmilzt das Euro-Bankguthaben auf rund 30.000 Euro ab. Allerdings steht die Bundesanleihe unmittelbar vor der Tilgung, so dass in rund einer Woche dem Euro-Konto von dieser Seite über eine halbe Million Euro zufließen.

Die Zahl der ausgegebenen Fondsanteile ist in dieser Woche durch Mittelzuflüsse von rund 50.000 Euro um 1.118 auf jetzt 159.646 Anteile gestiegen. Das Fondsvermögen blieb dadurch trotz des Anteilswertrückgangs nahe der Marke von 7 Millionen Euro (6.980.565 Euro genau).

Der Kurs der im April zum Kurs 98,882 Prozent gekauften kurzlaufenden (bis 15. Februar) deutschen Bundesanleihe im Nennwert von 500.000 Euro ist im Wochenvergleich um zwei Basisstellen gestiegen auf 99,98 Prozent. Bis zur Tilgung in gut einer Woche steigt der Kurs dann ein letztes Mal um zwei Basisstellen auf 100,00 Prozent. Zusammen mit den rund 80 Euro Stückzinsen pro Woche stieg der Wert unserer Position in dieser Woche auf jetzt 502.338 Euro (7,2 Prozent vom Fondsvermögen). Unsere Barreserve aus Bankguthaben und Kurzläufer zusammen beläuft sich vor dem Villeroy & Boch-Kauf auf 691.225 Euro. Damit ist der Anteil am Fondsvermögen von 10,8 auf 9,9 Prozent reduziert worden.

Aktuelle strategische und taktische Überlegungen

In Zeiten, in denen alle Aktien steigen, wenn auch manche mehr und andere weniger, fühlen sich alle Aktienanleger in ihren Entscheidungen bestätigt. Aber in solchen Zeiten sind wir nicht (mehr). Es ist wichtiger geworden, nicht überall dabei zu sein.

Wir sind seit Jahren nicht in teuren Luxusgüter- und Marken-Konsumgüter-Herstellern investiert. Diese Aktien waren bei vielen Fondsmanagern sehr beliebt, haben aber eine starke Bewertungskorrektur erlebt.

Wir sind seit langem nicht in den großen US-Tech-Konzernen investiert. Die meisten Aktien- und Mischfonds haben große Teile ihrer Fondsvermögen in diesen Aktien investiert. Doch das Chance / Risiko – Verhältnis dieser „Mainstream“-Aktien, „die jeder hat“, ist schlecht, wie diese Woche zeigt. Ob und wann sich die gigantischen Investitionen in KI-Rechenzentren und -Infrastruktur amortisieren, ist offen.

Wir sind seit langem nicht mehr in Software-Herstellern investiert. Künstliche Intelligenz wird diese Branche massiv verändern und klassische Geschäftsmodelle in Frage stellen. Schon vor Monaten glaubten so manche Investoren, bei Software-Aktien Schnäppchen machen zu können. Doch bislang ging es mit den Aktienkursen weiter abwärts.

Wir sind seit langem nicht mehr in Automobil-Herstellern investiert. Diese Woche schockte der amerikanisch-europäische Hersteller Stellantis mit einer 22-Milliarden-Dollar-Abschreibung. Tief in der Verlustzone steckend kann keine Dividende gezahlt werden. Der Kurssturz strahlte auf die ganze Branche aus. Aus China drängen zahlreiche neuer Hersteller auf die Automobilmärkte. Auf Jahre bleiben die Aussichten schlecht.

Wenn man diese Liste durchgeht, könnte der Eindruck entstehen, wir sähen vor allem Probleme und Gründe, NICHT zu investieren. Das ist aber nicht so, im Gegenteil. Wir können davon ausgehen, dass unsere Investments weiterhin großes Kurspotenzial besitzen.

Wo sind wir (über-) investiert? Die höchste Übergewichtung besteht im Bereich Roh- und Grundstoffe. Morningstar rechnet gut 27 Prozent unseres Aktieninvestments diesem Sektor zu – gegenüber gerade mal 3,5 Prozent beim Durchschnitt der Fonds. Die Weltwirtschaft braucht Rohstoffe und muss bereit sein, dafür höhere Preise zu zahlen. Die Zeiten, in denen Rohstoffe sorglos jederzeit und überall nahezu unbegrenzt verfügbar waren, sind vorbei.

Eine zweite Branche, in der wir hoch bzw. überinvestiert sind, sind Finanzdienstleistungen. Morningstar rechnet knapp 25 Prozent unserer Aktieninvestments dazu, darunter auch diversifizierte Mischkonzerne wie Fairfax Financial Holdings. Der Fondsdurchschnitt investiert nur gut 17 Prozent in Finanzdienstleistungs-Aktien. Viele Anleger, auch Profi-Fondsmanager, haben Finanzaktien, insbesondere Bankaktien, seit der Finanzkrise 2008 grundsätzlich gemieden. Dabei waren diese für einen Bruchteil ihrer Buchwerte zu kaufen, was bei steigenden Gewinnen eine krasse Unterbewertung bedeutete. Fairfax Financial, Deutsche Bank und Société Générale haben wir jeweils zu einem Bruchteil des Buchwertes kaufen können – Unternehmen, die seitdem ihre Gewinne massiv steigern konnten. Die Kursgewinne seit unserem Einstieg: +318 Prozent, +266 Prozent und +193 Prozent (bei der erst im September 2024 gekauften Société Générale).

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